Warum man keine Selfies mit Tieren machen sollte

Angelika Zahn
Freie Journalistin

Forscher sind sich einig: Auf Selfies mit wildlebenden Tieren sollte man besser verzichten – und seien sie noch so süß und zutraulich. Ihr Wohl ist sonst gefährdet.

Wegen ihres vermeintlichen "Lächelns" wird vergessen, dass sie wilde Tiere sind: Die zutraulichen Quokkas waren lange ein beliebtes Motiv bei Australien-Touristen und auch Promis wie Chris Hemsworth (Bild: ddp images)

„Was für ein süßes Känguruh!“ und – zack! – abgedrückt: Die Zahl der Selfies mit Wildtieren ist zwischen 2014 und 2017 um fast 300 Prozent gestiegen. Es ist nicht schwer, sich das zu erklären: Manche Tiere sind einfach niedlich und wenn man ihnen nah und persönlich begegnet, wird dies mit Sicherheit zu mehr Likes und Kommentaren in sozialen Netzwerken führen.

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Experten, die vor kurzem an der Internationalen Pinguin-Konferenz in Neuseeland teilgenahmen, haben dazu eine ganz klare Meinung: Selfies sind für die Tiere, die mit aufs Foto müssen, gefährlich. Professor Philip Seddon, Direktor des Wildlife Management-Programms der Otago University, sagte: „Wir verlieren den Respekt vor Wildtieren, wir verstehen die Wildnis überhaupt nicht mehr.“

Alle wollen Pinguine umarmen

Das Problem bei Selfies mit Wiildtieren sei, dass die Bilder oft ohne Kontext angezeigt werden würden. Selbst wenn damit ein Schutzprogramm gefördert werden solle, gehe diese Botschaft oft verloren: „Die Menschen sehen nur, dass es sich um jemanden handelt, der einen Pinguin umarmt, und wollen das auch.“

Laut dem Guardian hat Professor Seddon seinen eigenen Studenten verboten, Selfies zu machen, wenn sie den Auftrag haben, verschiedene Tiere zu untersuchen. Er befürchtet, dass diese Art von Bildern „dem Feuer nur Treibstoff zufügt“ und die Situation noch verschlechtert.

Urbanisierte Bevölkerung von der natürlich Welt entfremdet

„Wir haben eine zunehmend urbanisierte Bevölkerung auf der ganzen Welt, die von der natürlichen Welt entfremdet ist und für die der Zugang zu wildlebenden Tieren vermarktet und sicher gemacht wird“, erzählt Professor Seddon. „Wir sehen also oft Verhaltensweisen, die uns als Biologen seltsam erscheinen – wie zum Beispiel das Posieren eines Kind auf einem wilden Tier."

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Forscher von World Animal Protection hatten bereits vor zwei Jahren einen Bericht veröffentlicht, in dem festgestellt wurde, dass rund 40 Prozent dieser Fotos, auf denen jemand ein Tier umarmt oder unangemessen berührt, als "schlecht" eingestuft werden müssen, weil es dem wilden Tier „Stress und Leiden zufügen, ihm die Freiheit rauben und den Kontakt mit Menschen fördern kann, was seine Überlebenschancen in freier Wildbahn erheblich erschwert.“

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