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Better Life: Lächelmasken-Syndrom: Wenn falsche Freundlichkeit gefährlich wird

Falsche Freundlichkeit und ihre Folgen: Gut gemeintes Dauergrinsen kann im schlimmsten Fall sogar zu Burnout und Depressionen führen.

Frau in Einzelhandel, lächelt.
Im Einzelhandel ist ein freundliches Lächeln erwünscht. Wird von den Beschäftigten jedoch ständig ein Lächeln verlangt, kann dies körperliche und seelische Beschwerden verursachen. (Symbolbild: Getty)

Ein Lächeln aus Verlegenheit, als höfliche Geste oder um eine unangenehme Situation zu entschärfen: Viele Menschen ziehen im Alltag oft die Mundwinkel hoch, obwohl ihnen gar nicht danach zumute ist. Der japanische Psychologe Makoto Natsume warnt jedoch vor diesem Spiel mit der Mimik, wie National Geographic berichtet. Wer häufig künstlich lache oder lächle, könne davon krank werden, weil echte Gefühle dadurch unterdrückt würden, so Natsume. Die Folgen dieser psychischen Störung, die Natsume als "Lächelmasken-Syndrom" bezeichnet, sind alles andere als lustig und reichen von körperlichen Beschwerden, wie Kopf- oder Muskelschmerzen, bis hin zu Depressionen.

Betroffene sind häufig Frauen

Laut Natsume tritt das Phänomen besonders häufig bei Menschen (vor allem Frauen) auf, die im japanischen Dienstleistungssektor arbeiten. Lächeln gilt hier als Ausdruck der Höflichkeit. Der Psychologe wurde auf die Störung aufmerksam, als er in seiner Praxis Universitätsstudent*innen beriet. Einige von ihnen waren so sehr daran gewöhnt, ein Lächeln vorzutäuschen, dass sie sich nicht mehr bewusst waren, dass sie lächelten, wenn sie über stressige oder unangenehme Situationen sprachen.

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Infografik: Wie verbreitet sind Stress, Depressionen und Ängste? | Statista
Infografik: Wie verbreitet sind Stress, Depressionen und Ängste? | Statista

Depressionen bei Männern: Wie man sie erkennt und behandelt

Dass beruflich "verordnetes" Lächeln, wie es etwa bei Stewardessen oder Angestellten im Einzelhandel an der Tagesordnung ist, krank machen kann, bestätigen auch Untersuchungen von Forschenden der Universität Frankfurt: Mögliche Folgen seien Depressionen, Burnout, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Probleme. Der Rat des Teams an Menschen, die beruflich häufig lächeln müssen: Regelmäßige Rückzüge in Arbeitspausen, um sich vom zwanghaften Lächeln zu erholen.

Smiling Depression: Leiden hinter dem Lächeln

Dass sich hinter der Fassade eines strahlenden Lächelns schwere Depressionen verbergen können, ist in der Psychologie unter dem Begriff "Smiling Depression" bekannt. Eines ihrer bekanntesten Opfer: der zeitlebens lächelnde Komiker Robin Williams, der bis zu seinem Selbstmord an Depressionen und Angstzuständen litt.

Unpleasant pain. Sad unhappy handsome man sitting on the sofa and holding his forehead while having headache
Betroffene eine "Smiling Depression" vermitteln nach außen einen gesunden Eindruck. Doch hinter der glücklichen Fassade steckt eine gefährliche Krankheit.

Was macht eine Smiling Depression so gefährlich?

Die "lächelnde Depression" ist aus drei Gründen besonders tückisch:

1. Betroffene unterdrücken routiniert ihre Symptome. Sie vertrauen sich anderen gar nicht oder sehr spät an. Das verzögert den Beginn einer Behandlung oder verhindert sie gänzlich.

2. Betroffene wirken nach außen erfolgreich und glücklich. Deswegen erkennen auch Menschen im engeren Umfeld die Krankheit gar nicht oder erst sehr spät.

3. Wenn eine Depression zu suizidalen Impulsen führt, schützt die bei anderen Depressionsformen übliche Kraft- und Mutlosigkeit die Betroffenen vor einer Umsetzung. Betroffene einer Smiling Depression sind aber oft energiegeladen, kontrolliert und handlungsfähig. Umso wichtiger ist eine schnelle Behandlung, um suizidale Impulse zu verhindern. (Quelle: Schlosspark Klinik Dirmstein)

Experten()Wissen: Was passiert eigentlich bei einer Paartherapie?

Anmerkung der Redaktion: Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

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