Umweltschutz: Sind Strumpfhosen so schlimm wie Strohhalme?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Wenn es draußen kälter wird, werden die Strumpfhosen wieder ausgepackt und gerne neue nachgekauft. Schön und praktisch sind sie und in entsprechender Aufmachung dazu angetan, ein Kleidungsstück auch bei eisigen Temperaturen nicht nur tragbar zu machen, sondern auch aufzuwerten. Das Problem an der Sache: Strumpfhosen bestehen meist aus Nylon, das vor allem in der Herstellung alles andere als umweltverträglich ist.

Strumpfhosen zeigen sich auch in dieser Herbst/Winter-Saison in allen Farben. Aber ist der Trend aus Umweltschutz-Gründen zu rechtfertigen? (Bild: Getty Images)

Strumpfhosen sind in, daran gibt es nichts zu rütteln. Bei den Fashion Weeks tragen Models sie in allen Farben und auch bei Influencern aller Altersklassen stehen sie hoch im Kurs. Dabei gibt es ein Problem, das sich in Zeiten steigenden Umweltbewusstseins kaum mehr verdrängen lässt: Was die Strumpfhosen so glänzend, reißfest und elastisch macht, sind Polyamide (PA). Kunststoffe also, die synthetisiert und zu Kunstfasern verarbeitet werden, aus denen wiederum Nylon besteht, wie die Polyamide handelsüblich auch heißen.

Erdöl wird verbraucht, Lachgas entsteht

Zur Herstellung des Kunststoffs braucht man Erdöl, was für die Natur unschöne Folgen hat. Bei der Bohrung werden Böden und Gewässer verschmutzt, Wälder abgeholzt, um an den Rohstoff zu kommen, Pflanzenarten werden vernichtet und die Luft verschmutzt. Ein Nebenprodukt der Produktion sind riesige Mengen des schädlichen Treibhausgases Lachgas, das hunderte Male stärker ist als CO2.

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Dazu kommt: Bei jedem Waschgang mit PA-haltigen Kleidungsstücken, zu denen längst nicht mehr nur Strumpfhosen, Regen- und Sportklamotten gehören, lösen sich Faserteile und gelangen ins Abwasser. Weil sie so klein sind, können sie in den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden und gelangen ins Grundwasser, die Flüsse und Meere, von wo aus sie zum Beispiel auch in die Nahrungskette gelangen.

Strumpfhosen haben eine eher kurze Lebensdauer

Nach Schätzungen entstehen weltweit pro Jahr mehr als 100 Tonnen Abfall aus Strumpfwaren, die immer dann neu gekauft und wieder weggeschmissen werden, wenn ein Kleidungsstück kaputt gegangen ist. Den Strumpfhosen hat das in der Modewelt etwa den Ruf eingebracht, der auf einem anderen Gebiet den längst verpönten und ab 2021 sogar verbotenen Strohhalmen zukommt.

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Ist Verzicht die einzige Lösung?

Einen kleinen Beitrag kann man schon leisten, indem man die Strumpfhosen, wie übrigens andere Kleidungsstücke auch, möglichst selten wäscht. Um die Strumpfhosen zu schonen und dadurch auch ihre Lebensdauer zu erhöhen, sollte man sie zum Beispiel in Wäschenetzen verstauen. Daneben gibt es aber auch spezielle Marken, die bei der Herstellung ihrer Strumpfhosen darauf achten, dass das zumindest umweltschonender als üblicherweise geschieht.

Die schwedische Brand Swedish Stockings benutzt dafür zum Beispiel recyceltes Material aus der Sportklamotten-Produktion und betreibt Firmen, die Wind- und Solarenergie nutzen. Die britische Marke Charnos achtet bei den Produkten der Linie RE, CYCLED darauf, dass Abschnitte gesammelt und zur Produktion von neuen Strumpfhosen verwendet werden und hat es zudem geschafft, den Wasserverbrauch bei der Herstellung um 90 Prozent zu reduzieren. Andere Marken, die sich ebenfalls um eine bessere Umweltverträglichkeit bemühen, sind zum Beispiel Gudrun Sjoden oder The Legwear Co.

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