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Better Life: Ist Hafersirup gesund? Worauf man achten sollte

Beim Blick in die Supermarktregale wird schnell klar: Überall lauert Zucker. Manchmal offensichtlich, oft aber auch versteckt. Abhilfe schaffen können pflanzliche Dicksäfte oder Sirupe wie Hafersirup als Zuckeralternativen. Aber wie gesund ist Hafersirup wirklich? Und ist dort, wo Hafer darauf steht auch wirklich Hafer drin? Darauf sollte man beim Konsum des Sirups achten.

Hafersirup scheint eine gesunde Alternative zu Zucker zu sein. Doch beim Verarbeitunsgprozess des Getreides gehen wichtige Bestandteile verloren. (Foto: Getty Images)
Hafersirup scheint eine gesunde Alternative zu Zucker zu sein. Doch beim Verarbeitunsgprozess des Getreides gehen wichtige Bestandteile verloren. (Foto: Getty Images)

Wer kennt es nicht: Man steht beispielsweise vor dem Regal mit Cornflakes und sieht sich mit einer bunten Masse aus Pops, Loops und Flakes konfrontiert. Instant Überforderung! Bei Frühstücksflocken wissen die meisten inzwischen, wie viel Zucker der lachende Tiger vor den Kindern versteckt. Bei anderen Lebensmitteln ist der Zucker versteckter.

Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung haben sich Deutschland, Frankreich und Polen als die größten Zuckerproduzenten in der EU etabliert. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt in einem Gutachten zur dem Ergebnis, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse es nicht erlauben, eine „zulässige Höchstaufnahmemenge für Zucker in Lebensmitteln festzulegen“. Aber: Die Aufnahme von zugesetzten und freien Zuckern sollte so gering wie möglich sein.

Studie: So ungesund ist zugesetzter Zucker wirklich

In anderen Ländern wie Großbritannien sollte eine Steuer (Soft Drinks Industry Levy) auf zuckerhaltige Getränke wie Limonanden oder Softdrinks die Hersteller animieren, den Zuckergehalt zu verringern. In Zahlen bedeutet es dort: Auf Erfrischungsgetränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis 8 Gramm pro 100 Milliliter werden umgerechnet 21 Euro-Cent pro Liter fällig.

Auch die beliebten, süßen Produkte an den Kassen, die Eltern in den Wahnsinn treiben und Kinder zum Quengeln animieren, dürfen seit Herbst 2022 nicht mehr platziert werden. Soweit ist die deutsche Regierung aber noch nicht. Allerdings zeigt eine Umfrage, dass auch in Deutschland das Interesse besteht, auf Zucker zu verzichten.

Infografik: Gesundheit vor Geschmack? I Statista Global Consumer Survey
Infografik: Gesundheit vor Geschmack? I Statista Global Consumer Survey

Komplett verzichten ist aber natürlich schwer - vor allem weil man bei gekauften Produkten gar nicht beeinflussen kann, wie viel Zucker enthalten ist. In den Bereichen, in denen man eigenverantwortlich Zucker einsparen kann, werden pflanzliche Dicksäfte und Sirupe zum Süßen von Speisen oder Getränken immer beliebter.

Mit dem "süßen Heiltrank" zum gesunden Leben

Bei einem Sirup handelt es sich laut Duden um entweder "eine zähflüssige, braune, viel Zucker enthaltende Masse, die bei der Herstellung von Zucker besonders aus Zuckerrüben entsteht" oder um einen "dickflüssigen, durch Einkochen von Obstsaft mit Zucker hergestellten Saft [der zum Gebrauch mit Wasser verdünnt wird]". Ironischerweise bedeutet Sirup aber auch laut Wort-Herkunft "süßer Heiltrank".

Zu den bekannteren Sirup-Arten zählen der Zuckerrübensirup, der Agavensirup, der Ahornsirup oder auch der Reissirup. Etwas weniger bekannt ist dabei der Hafersirup.

Denn auch aus Hafer lässt sich eine vegane und pflanzliche Süßungsalternative herstellen. Dabei zeichnet sich der Sirup durch einen feinen Geschmack und eine leichte Karamellnote aus. Die Herstellung des Hafersirups ist dabei nicht ganz so einfach, wie die eines Fruchtsirups.

So wird Hafersirup hergestellt

Spoiler alert: Der nächste Abschnitt wird sehr Chemielastig, denn es geht um die Herstellung von Hafersirup. Gemeinsam können wir das aber schaffen, auch wenn der Abschnitt trocken wie Hafer ist.

Also: "Hafersirup wird aus der enzymatischen Hydrolyse von Hafer unter Anwendung von GMO-freien und natürlichen Enzymen hergestellt, um die komplexen Kohlenhydratverbindungen in kurzkettige Moleküle aufzuspalten."

So und nachdem jetzt wahrscheinlich die Hälfte weggeratzt ist, noch einmal in verständlich: Als Hydrolyse bezeichnet man die Spaltung einer chemischen Verbindung durch die Reaktion mit Wasser. Das kann auf zwei Weisen passieren: Enzymatisch und säurekatalysiert.

Im Fall des Hafersirups sorgen Enzyme dafür, dass die im Hafer enthaltene Stärke in ihre Zuckerbausteine aufspaltet wird. Die Cellulose, also der Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände, wird durch die Enzyme in Glukose umgewandelt. Anschließend werden die festen Bestandteile ausgefiltert und die süße Flüssigkeit kann zu Sirup gekocht werden.

Vorteile und Nachteile des Hafersirups

Hafersirup enthält weniger Kalorien als herkömmlicher Zucker. Im Vergleich zu anderen Zuckerarten hat Hafersirup allerdings auch einen höheren Anteil an Mehrfachzuckern. Mehrfachzucker oder Vielfachzucker – das liest man auch sehr oft, wenn es um Ernährung und Diäten geht.

Denn grundsätzlich wird empfohlen weniger einfache (kurzkettige) Kohlenhydrate zu essen und eher auf komplexe (langkettige) Kohlenhydrate zuzugreifen, die länger satt machen. Diese komplexen Kohlenhydrate – oder auch Mehrfachzucker – liefern Energie für einen langen Zeitraum und werden zeitverzögert im Verdauungstrakt abgebaut, was den Blutzuckerspiegel über mehrere Stunden konstant hält.

Im Gegensatz zum Einfachzucker ist der im Haferfsirup enthaltene Mehrfachzucker geruchs- und geschmacksneutral. (Foto: Getty Images)
Im Gegensatz zum Einfachzucker ist der im Haferfsirup enthaltene Mehrfachzucker geruchs- und geschmacksneutral. (Foto: Getty Images)

Einfachzucker, sogenannte Monosaccharide, schmecken süß, sind kristallin und wasserlöslich. Mehrfachzucker, auch Polysaccharide, kommen in stärke- und ballaststoffreichen Lebensmitteln vor und sind geruchs- und geschmacklos. Dementsprechend schmeckt auch der Hafersirup weniger süß als andere Zuckeralternativen. Die logische Konsequenz ist also, dass man dazu neigen könnte, mehr vom Sirup zu verwenden, um das gleiche Level an Süße zu erreichen. Damit wäre dann aber die Nummer mit den eingesparten Kalorien wieder hinfällig.

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Die Ernährungsexpertin Silke Noll von der Verbraucherzentrale Bayern rät daher, Hafersirup "ähnlich sparsam" wie Zucker zu verwenden. Wer jetzt denkt: "Hey! Hafer ist doch aber gesund. Ballaststoffe und so" hat absolut recht. Hafer enthält besondere Ballaststoffe und Antioxidantien, die gemeinsam das Herz-Kreislauf-System, den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und sogar das Immunsystem begünstigen. Das Problem ist nur: Man füllt sich ja nicht den puren Hafer ins Essen, um dieses zu süßen, sondern den Sirup. Und dieser hat durch die Verarbeitung wertvolle Bestandteile wie Proteine und die beliebten Ballaststoffe verloren.

Fazit: Hafersirup ist nicht automatisch gesünder

Leider löst Hafersirup nicht alle zuckrigen Probleme. Der Sirup eignet sich als Zuckeralternative, wenn er denn sparsam verwendet wird. Möchte man die Vorteile des Hafers genießen, sollte man sich also nicht literweise den Hafersirup eintrichtern, sondern auf den reinen Hafer zugreifen.

Automatisch gesünder ist Hafersirup demnach nicht, nur weil Hafer drin steckt. Ist also im Prinzip wie bei Fruchtjoghurt, in denen nicht wirklich Früchte enthalten sind oder – um den Kreis zu schließen – Müsliriegel, die mehr eine Süßigkeit in Müsli-Optik sind als ein echtes, in Rechtecke gepresstes Müsli.

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